Karrikatur aus Offenbach von Helmut Kumm

Gestorben im Elfenbeinturm

Ich bin nicht tot,
ich lausche nur der Unendlichkeit der Nacht,
dem Rauschen der Sternschnuppen,
dem Wehgeheul des Lichtes
und dessen zunehmender Dunkelheit.

Ich liege da und schweige, lausche, schweige.

Ist schweigen reglos,
ist Reglosigkeit tot?

Wir sind von anderen Schätzen als der Erde begraben, und bemühen uns in einem fort, unsere Grabmale zu manifestieren.

Erde ist nur der Füllstoff.
Sie bedeckt uns und erlaubt uns, zu verharren.
Sie bietet den Boden für die Kulisse,
das Gras und Getier, für Schlangen.
Die kommen zu uns zu Besuch.
Zeitweile für Lebloses, Verweilendes für Ruhendes, Bewegung für Sterne.
Alles ist bewusst, und alles Bewusste ist nichts.
Die Unendlichkeit des Schoßes lässt wachsen und gebären,
wenn noch das Leben fehlt,
wenn noch die Liebe fehlt,
wenn die Hoffnung kommt,
nicht, um Qualen zu vergrößern,
sondern um Wandlung zu fördern
dann ist es – das IST –
das Jetzt, das wächst und weckt
der Wille, der die Zeit bezwingt
Unendlichkeit endlich werden lässt,
Trost spendet
Fülle erfüllen lässt,
aufwachen lässt und im Mantel von Demenz an die Oberfläche strebt.

Um erschlagen zu sein von der Banalität des Lebens und der Liebe?

Dann, bitte, lausche ich lieber der Stille – der Unendlichkeit und dem Ewigen.

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