Karrikatur aus Offenbach von Helmut Kumm

Das ABC der Verzweiflung

Was ist Verzweiflung? Die Hoffnung völlig aufgeben und verzagen, z.B. die Geduld zu verlieren; und zwar die Geduld an dem Menschen; am Leben. Man macht verzweifelte Anstrengungen, um sich zu befreien – ein verzweifelter Kampf, z.B. um Liebe, um Anerkennung, ums Letzte: um Leben und Tod.

Manchmal bleibt nur die völlige Hoffnungslosigkeit übrig, Hilflosigkeit, Niedergeschlagenheit, die Ungeduld erzeugt und zur Rache zwingt.
Nur wer das überlebt, kann geheilt werden!
Und am schlechtesten wirkt die Ungeduld!

A

Es beginnt mit der Angst, die macht unruhig, beklommen, eine große Sorge und Unruhe wird zum ständigen Begleiter, nichts Reales, oftmals sind es nur Befürchtungen und niedere Anlässe, was die Situation nicht leichter ertragen lässt.

B

Oftmals ist es nur eine schlimme Ahnung dessen, was eintreten könnte, nichts Reales, mehr nur eine Sorge oder eine Besorgnis, und schon wird das Halali geblasen.

CD

Wie oft finden/empfinden wir uns als Dekoration? Als eine Schmuckform, Verzierung, eine Ausstattung auf der Bühne des Lebens, die nicht unsere ist.
Dafür erhalten wir weder einen Orden noch eine Auszeichnung, nur Gelächter.

E

In solchen Situationen ist Eifersucht das Letzte, was hilfreich zur Seite steht. Sie strebt mit Leidenschaftlichkeit nach Geltung und alleinigem Besitztum, hat Angst vor Nebenbuhlern, Argwohn, Mißgunst und Neid – eigentlich macht sie keinen Spaß!

F

Falschheit hält Einzug. Unaufrichtigkeit, Fehlerhaftigkeit, die Hinterlist und die Doppelzüngigkeit streiten um ihren Rang! Man schuldigt sich an, ob ein besseres Wissen, hintergeht, beharrt, ist unangebracht streitbar und nicht mehr in der Lage, ein Regulativ als Norm zu erachten. Man macht nach, und ist im besten Fall nur die schlechte Kopie!

G

Die Gram macht das Leben nicht leichter. Es ist eine Mischung zwischen tiefem Kummer und nagender Traurigkeit, die sich einstellen. Der Gram frißt an der persönlichen Substanz, er ernährt sich von ihr, er macht, dass man unguten Bedingungen ’nachhängt‘ und sie als äußerst lebenswert empfindet.

H

Man möchte festhalten, haltbar machen, einen Halt geben, insbesondere für sich selbst, man möchte kleine Erfolge verteidigen, kann noch nicht loslassen, den Frieden noch nicht bewahren, sondern nur um seine Bedeutung wissen, die Herzenswärme nicht konstant halten, sondern in einer Achterbahn damit spazieren fahren. Das Maß wird ebenso wenig eingehalten wie die Wege der Erkenntnis, die man beschritten glaubte.

IJ

Der Jammer kommt gratis. Du mußt ihn nicht bestellen! Er tritt auf als laute Klage, als Zustand, der schmerzlich und bedauernd ist, als Kummer, als Verzweiflung. Mal ist es ein Wehgeschrei, mal ein stummer Kummer.

K

Verzweiflung ist immer ein Kampf! Ein Streiten, ein Ringen, ein Wettkampf zwischen Mann und Frau, er ist wild, heiß, hart, unerbittlich, manchmal blutig, manchmal bis aufs Messer, teils ums Dasein, teils um Macht, mal ums Leben – oder den Tod. Ein um Liebe gekämpfter Kampf ist hoffnungslos!

L

Tja, und das ist sie, die Liebe!? Opferbereit, stark, unerschütterlich, voller Verlangen, wie auch voller Aufopferung, mit dem Streben nach Freiheit, obwohl sie oftmals bindet, gefällig, freundlich, wertschätzend, vernichtend, barmherzig wie eiskalt, heimlich wie unglücklich – auf der Suche nach Zärtlichkeit und Erfüllung.

M

Irgendwann fängt man an zu messen. Was ist das Maß aller Dinge – was die Einheit, die zu Grunde gelegt wird? Wie gebunden und wie gelöst? Wo ist die Menge, die Grenze, das Ausmaß, das Verhältnis, wo die Selbstbeherrschung, die Mäßigung, die eigene Zurückhaltung? Wo ist das Maß aller Dinge, und wo ist es überschritten?

NO

Und dann kommt das Opfer – an einen Menschen, an eine Familie, an einen Gott? Schmerzhaft allesamt, eine Spende, ein Verzicht, selbst auferlegt, um Sühne zu strafen, besseres zu bewirken – oder indem man zu blauäugig jemandem gedient hat, um für den eigenen Leichtsinn bestraft zu werden: Vielleicht ist es eine Gnade des Schicksals, sich niemals so gefühlt zu haben, um sich nicht eingestehen zu müssen, wie dämlich man war.

PQ

Bloß keine Pfeife sein, auch wenn das naheliegend ist. Jemand bringt die Luft in Dir zum Schwingen, und schon beginnt ein Lied, das der vorgibt, der die Luft einbläst! Und Du fängst an, nach eines anderen Melodie zu singen und zu tanzen, in dem Bewußtsein Deiner eigenen Befreiung. Ist nicht gut!

R

Es folgt Rache, Vergeltung für ein erlittenes Unrecht. Rache, die von süß bis blutig reicht, und am Ende noch mehr Kummer bereitet als Erlösung, die Bestrafung sucht und Selbstbestrafung erfährt. So what – Lass es am besten.

S

Sinn – Denken – Gedanken – Bewußtsein – Gesinnung – Denkungsart – Gemüt und Verständnis – Empänglichkleit – Bedeutung – geistiger Gehalt – Aufgabe – Frage – Empfinden – Seele – Begierde – Die fünf Sinne: Gesicht – Gehör – Geruch – Geschmack – Gefühl – … Wann ist man sich seiner Sinne sicher? Wann hat man sie beisammen?

SCH

Fühlt man sich bloßgestellt, dann geht dies mit der Scham einher. Heißt auch, andere nicht verletzen zu wollen! Und was passiert? Man empfindet oftmals eine unberechtigte Furcht, sich bloßzustellen. War man tatsächlich schamlos, so führt dies zu errötenden und versinkenden Ereignissen, an die man sich lieber nicht erinnern mag. Man möchte sich bedecken und verhüllen und unsichtbar werden. Und um Entschuldigung flehen.

ST

Ursprung ist oftmals der Stolz, zu viel Hochmut und Dünkel, der dazu führen kann, ihn in ganzer Gänze zuzulassen, ihn zu bitten, zu berechtigen, seine Falschheit hervorzuheben, ihn in ganzer Blüte erscheinen zu lassen, sich seiner zu bedienen, um danach um Vergebung zu bitten.

T-V

Von Trauer bis Vergebung, vom Augen niederschlagen und beklagen bis zum Verzeihen und Wehklagen des Passierten. Vorbei – Vorüber – abgelaufen – dahinschwindend – und – sich seinem Schicksal übergebend.

W

Keine Verzweiflung ohne Wut, meint heftige Raserei, Zorn, aber ebenso eine übersteigende Begeisterung jeglicher Emotionalität betreffend. Ebenso überflüssig wie unsinnig, tobend, schwer regulierbar, verletzend, ein Sturm der Seele.

X – Z

Heilen tut nur die Zuversicht, das Vertrauen in die Zukunft, die feste Hoffnung und Überzeugung, das alles genau so sein soll, wie es sich abbildet, wie es erlebt und gespürt wird, und dass sich alles am Ende in Liebe auflöst!!!!

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